Erfahrungsbericht Telekom DSL – Hybrid

 

Da ich selber in einem sagen wir es mal schwach ausgebauten Gebiet der Breitbandversorgung lebe kam für mich der Zeitpunkt sehr gelegen als die Deutsche Telekom den Ausbau von LTE und somit die Verfügbarkeit vom sog. DSL Hybrid propagierte. Nachdem ich bei meinem alten Anbieter die Restlaufzeit abgesessen hatte machte ich mich auf den Weg zur Magentafarbe.

Der Ordnung halber sei noch erwähnt: Mein vorheriger Anbieter war ein reiner LTE-Anschluss welcher 21.000 für 15GB lang anbot. Danach Fallback auf 380kbit für den Rest des Monats. Willkommen im Jahr 2016.

Der Schalttermin war innerhalb von zwei Wochen und die Zugangsdaten samt Speedport-Router zur richtigen Zeit bei mir zu Hause angekommen. Man muss sagen dass ich den Wehrmutstropfen zu schlucken hatte von einem Internetanbieter zu kommen welcher es mir ermöglichte Internet sowie SIP/VoIP über eine Fritzbox abzuwickeln. Im Hybrid-DSL gibt es noch keine Liberalisierung des Routermarktes bzw. noch kein Alternativprodukt zum schimmligen Speedport-LTE-Hybrid-Router. Ich ließ es auf einen Versuch ankommen und würde zur Not vom Fernabsatzgesetz gebrauch machen und im schlimmsten Falle vom Kauf zurücktreten. So war der Plan.

Der Anschluss war schnell in Betrieb genommen, die Schaltung klappte problemlos, das LTE-Netz wurde ohne großes Murren im Speedport erkannt. Geschwindigkeiten waren und sind wie zu erwarten sehr schwankend. Zwar kitzelt magenta bzw. der Speedport aus meiner wirklich exponierten Anschlussleitung sagenhafte 2000kbit/s heraus (die Messung vorab ergab etwas um die 800) aber bei größeren Transfers bzw. wenn der Router LTE hinzuschaltet schwankt der Download zwischen 6000 und 21000kbit/s. Im Schnitt würde ich den Download mit 11.000kbit/s angeben. Upload zwischen 2.000 und 4.000kbit/s bei ca. 30ms ping zu einem in DE gehosteten RZ welches mir bekanntlich DTAG-Peering hat.

Alles also insgesamt nicht so schlecht wenn man das mal im Vergleich mit dem vorherigen 15GB-LTE setzt. Will die vorherige Lösung wirklich nicht schlecht reden was Geschwindigkeit, Latenzen und Verfügbarkeit angeht aber wie schnell sind 15GB rum? Brauchen wir nicht darüber reden.

 

Nach nun knapp 4 Wochen sind mir folgende markante Schwächen bei der Hybrid-Lösung der Telekom aufgefallen. Ich möchte das hier niederschreiben weil ich im Vorfeld bei der Recherche wenig sachdienliches im Netz gefunden habe. Mir ist klar, dass die Geschwindigkeitsangaben von Tageszeit und Örtlichkeit abhängen aber mir geht es hier nicht um die o. g. Quantitätsmerkmale.

 

Vielmehr stört mich nach 3,5 Wochen Betrieb folgendes:

 

  • Die Telekom hat nach wie vor Probleme bei den Hybrid-Anschlüssen und SSL-VPN-Verbindungen die längere Zeit aufrecht erhalten werden müssen. Ein VPN zum Arbeitgeber über ein OpenVPN hält ca. 2 Stunden stabil und kracht dann zusammen. Nach ca. 35 Sekunden Schockstarre erholt sich der Speedport wieder und möchte mit der Ziel-IP wieder sprechen. In der Zeit ist anderweitige Kommunikation möglich, jedoch nicht zu der IPv4-Adresse meines VPN-Gateways.
  • Selbiges gilt für Verbindungen die auf dem PCoIP-Protokoll aufbauen. Längere Verbindungen brechen zusammen und lassen sich erst nach kurzer Wartezeit wieder initiieren. PCoIP ist z. B. bei Desktopvirtualisierungen aus dem Hause vmWare im Einsatz.
  • Der Speedport-Router unterstützt kein halbdynamisches DHCP im LAN. Ich kann keinem Gerät über DHCP dauerhaft die gleiche IP-Adresse zuweisen. Entweder ganz dynamisch oder garnicht.
  • Der Speedport lässt sein internes Routingtable nicht anpassen. Ziel/Wunsch war es von mir ein VPN-Gateway z. B. zu platzieren und den Speedport bei Anfragen in das entfernte Netz über das Gateway routen zu lassen.
  • Wenn man den Router mietet, kann man die Easy-Support-Funktion nicht ausschalten. DTAG hat also somit immer Wartungszugriff auf das Gerät was mir als Admin eigentlich ein Dorn im Auge ist.
  • SIP-Settings sind im Router nicht so konfigurierbar wie man es von anderen Geräten wie z. B. der Fritzbox gewöhnt ist.
  • Man kann das interne LAN nur im IPv4-Klasse-C-Bereich definieren. Ich hatte bei der  Vorgängerlösung ein subnettiertes priv. Klasse-B-Netz platziert und musste danach auf 192.168.0.0/16 wechseln. Bescheuert..

Update:

Nach einem Softwareupdate im März 2016 sind die Probleme mit VPN-outbound und PCoIP nicht mehr aufgetreten!

 

Positiv:

  • LTE-Zuschalten funktioniert nahtlos und unbemerkt für das Endgerät
  • Verfügbarkeit ist wirklich gut. Keinen nennenswerten Ausfall für mich in dem Testzeitraum. Wäre bei der Vorgängerlösung schon nicht mehr so gewesen.
  • Generelle Anschlussgeschwindigkeit ist mit dem konventionellen DSL-Anschlüssen der Vorgängerwohnungen kaum zu unterscheiden.
  • Sauschnelles WLAN im internen Netz. Der Speedport kann 802.11ac.
  • Meine Frau möchte noch die dezente Beleuchtung sowie das gelungene Design des Speedports hervorgehoben wissen 😉 Die Beleuchtung des Speedports gibt ein schickes Nachtlicht für den Gang ab. 😀
  • Die hiesigen Video-Portale wie Netflix, Amazon Prime usw. haben inzwischen dermaßen schlaue Streamingalgorithmen, dass ein schwankender DSL-Hybrid-Anschluss für einen ruckelfreien Videobetrieb kein Hinderniss mehr ist. Ab und an muss man aber damit rechnen, dass es etwas pixeliger als die gewohnte Full-HD-Qualität wird. Das reguliert sich aber meist schnell von selbst. Top!
  • SIP/VoIP bei Volllast des Anschlusses: Telefonate sind ohne Probleme möglich. Die Telekom priorisiert die Warteschlangen sauber.

 

Nicht getestet:

  • Inbound-VPN dauerhaft. Funktioniert kurzzeitig aber sicher via OpenVPN

 

Was nicht gut funktioniert:

  • Die von den öffentlich-rechtlichen angeboteten Mediathekportale hingegen bestehen rigoros auf eine potente Internetleitung. Sollte also der Nachbar mal ordentlich die LTE-Wolke auslasten, so kann es sein, dass der 3sat-Stream aus der Mediathek ins Stocken gerät. Netflix & Co schaffen das durch Software und Qualitätsminderung auszugleichen dass es wenigstens keine Ruckler gibt. Das war und ist schade, liebes Öffentlich-Rechtliche!

Ich hoffe nun auf den Söder-Topf aus welchem sich die Kommunen in Bayern bedienen können um die Breitbandnetze mit öffentlichen Geldern auszubauen damit die Telekom/Rest die Gewinne schön privatisieren kann. Meine Gemeinde strebt solch einen VDSL-Ausbau für mein Dorf an und im Anschluss ist der Plan von der Hybrid-Lösung zur VDSL-Lösung zu schwenken und die Sorgen ein für allemal mit einer schicken Fritzbox zu ertränken.

 

Cheers


Beitrag am 13.04.2016 um neue Erfahrungen erweitert/ergänzt.

20.01.2018 Erfahrungen zu VoIP, Mediatheken und Netflix ergänzt

6 Gedanken zu „Erfahrungsbericht Telekom DSL – Hybrid

  1. Michael

    Hallo,
    vielleicht können Sie einen IT- Laien bei der Entscheidung sich einen Hybrid Tarif zu zulegen behilflich sein.
    Im Netz wird des Öfteren von Schwankungen im LTE-Empfang berichtet. Die ursprüngliche Geschwindigkeit des LAN Anschlusses ist hiervon unberührt, oder?

    Würde mich über eine kurzfristige Antwort sehr freuen.

    Gruß aus Münster

    Antworten
    1. Christian Reichenberger Beitragsautor

      Hallo,

      gerne helfe ich wo ich kann. Die angesprochenen Schwankungen sind konzeptbedingt. Der LTE-Zusatz ist ein sogenanntes “shared-medium”. Viele Nutzer teilen sich eine fest definierte Bandbreite. In Zeiten reger Nutzung (beispielsweise Abends) und einer Telekom-lastigen Kundschaft innerhalb der LTE-Funkzelle kann die Bandbreite durchaus stark schwanken. Dies ist aber immer individuell von Anschluss zu Anschluss zu sehen und hängt immer von den Gegebenheiten vor Ort ab.

      Die Bandbreiten innerhalb des LANs sind hiervon nicht betroffen. Sie können mit dem konventionellen Telekom-Hybrid-Router an ihren LAN-Ports mit Gigabit kommunizieren. Das ist nicht abhängig von der LTE-Anbindung. LAN bleibt zum Glück LAN. 🙂

      Ich hoffe geholfen zu haben.

      Schönen Gruß nach Münster

      Antworten
      1. Michael

        Hallo,
        vielen Dank für die schnelle Antwort.
        Damit steht nun auch die Entscheidung das ich es mit einem Hybrid Tarif versuchen werde.

        Ich habe momentan DSL 16000 mit dem Entertain Paket. Wenn man dann einen HD Kanal schaut wird es für andere Personen im Haushalt manchmal eng. Zumal es da auch noch jemanden gibt der Sky Go auf dem Tablet schaut….;-)

        Danke nochmal und einen schönen Abend.

        Gruß
        Michael

        Antworten
        1. Christian Reichenberger Beitragsautor

          Hallo nochmal,

          dann hoffe ich für Sie, dass am Schluss mehr als 16.000 herauskommt. LTE wird natürlich nur hinzugeschaltet, wenn die 16.000 ausgereizt sind. Idealerweise haben Sie oder kennen jemanden der einen LTE-Tarif bei der Telekom hat. Hier könnte ein kurzer Geschwindigkeitstest in den Räumlichkeiten zur “Stoßzeit” sinnvoll sein. Aber vorsicht, das kann sich natürlich von heute auf morgen ändern, wenn der Nachbar auch auf Hybrid wechselt und ebenfalls z. B. intensiver Sky Go-Nutzer ist z. B.
          Eine LTE-Zelle kann nur eine gewisse Bandbreite liefern und die teilen sich alle.

          Viel Spaß im Netz!

          Gruß
          Christian

          Antworten
  2. Kurt Möller

    Hallo Herr Reichenbacher,
    vielen Dank für ihre detailierte Beschreibung ihrer Erfahrungen zum Telekom Speedport Hybrid.
    Ich habe seit den 19.12.2017 einen Hybridanschluss und hatte mit eine VPN-Verbindung extreme Probleme. Ich kaonnte diese zwar starten, aber nicht mit Remotedesktop auf einen Firmenrechner zugreifen.
    Nach zahllosen Versuchen, habe ich mich über die HotSpotfunktion ins Internet eingewählt und die VPN-Verbindug gestartet. Es ist kaum zu glauben, ich kann flüssig über dies arbeiten und diese trots niedriger Downloadrate (1,8 Mbps) und hohen Pigzeiten (200ms).
    Haben sie dafür eine Erklärung?
    MfG
    Kurt Möller

    Antworten
    1. Christian Reichenberger Beitragsautor

      Guten Abend Herr Möller,

      ich muss auf Ihren Kommentar zu meinem Hybrid-Bericht leider mit ein paar Gegenfragen antworten ehe man weiss, in welche Richtung die Sache eigentlich geht und ob der Hybrid-Anschluss nicht vielleicht doch unschuldig ist.

      Anbei meine Fragen in Stichpunkten
      – Sie bauten aus dem Netz des Hybridrouters (also wahrscheinlich von zu Hause) einen VPN-Tunnel in ein anderes Netz (wahrscheinlich das des Arbeitgebers) auf? Umgekehrt wäre ja auch denkbar.
      – Mit der Hotspotfunktion meinen Sie die WLAN TO GO – Funktion der Telekom?
      – Falls letztes ja: Sie klinkten sich über das “WLAN TO GO”-Netz (SSID TELEKOM oder TELEKOM_FON) ins Internet ein und darin funktionierte der Tunnel dann entsprechend?

      Generell kann man sagen, dass die meisten Remotedesktop-Sitzungen kaum Bandbreite benötigen. In Zeiten von HD-Videostreams o. ä. fällt eine RDP-Sitzung kaum noch ins Gewicht. Man kann nicht fix sagen was RDP benötigt, denn es hängt von der einzelnen Sitzung ab. Tendenziell sind es aber eher Bereiche im dreistelligen Kilobit-Bereich. Ein Download von 1,8Mbps sollte meiner Ansicht nach genügen.

      Zudem schwebt immer das Damoklesschwert “Shared Medium” beim Hybridanschluss mit. Heisst, sind die Nachbarn mit ihren LTE-Smartphones, LTE-Routern gerade fleissig, teilt sich die Verfügbare Bandbreite für alle entsprechend auf.

      Was das Problem mit dem VPN eingrenzen könnte wäre eine Herausnahme des Computers, welcher die VPN-Verbindung aufbaut, aus dem LTE. Dies können Sie in der Konfiguration des Speedport-Routers hinterlegen. Unter Heimnetz (wenn ich mich richtig erinnere) können Sie den Router anweisen einzelne Computer nicht mit LTE zu beschleunigen. Die Geschwindigkeit ist dann natürlich auf die Verfügbare DSL-Bandbreite beschränkt. Auf Basis dieser Erkenntnisse kann man dann weitere Schlüsse ziehen.

      So viel Text zum Abend…

      Beste Grüße

      Antworten

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